11.3.2 KS-Außenwände mit Wärmedämm-Verbundsystem

Der Begriff KS-Außenwand mit Wärmedämm-Verbundsystem – kurz: WDVS – beschreibt die Außenwandkonstruktion aus einer tragenden Schale aus Kalksandstein und einem Wärmedämm-Verbundsystem mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ).

KS-Mauerwerk ist ein idealer Untergrund für jedes Wärmedämm-
Verbundsystem.

Die Zulassungen für Wärmedämm-Verbundsysteme sind als Systemzulassung zu verstehen, bei denen alle Komponenten (Wärmedämmung, Befestigungselemente sowie Armierungs- und Putzschichten) aufeinander abgestimmt sind.

Die tragende Innenschale aus Kalksandstein ist ein idealer Untergrund für jedes Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS).

Wärmedämm-Verbundsysteme werden je nach System unterschiedlich befestigt:

  • Verklebt
  • Verklebt und verdübelt
  • Verdübelt
  • Mechanisch befestigt (Schienenbefestigung)

Durch die hohe Maßhaltigkeit des Kalksandsteins lassen sich daraus besonders ebene Wände herstellen. In Abhängigkeit von der Befestigungsart werden unterschiedliche Anforderungen an die Ebenheit (e) – bezogen auf eine Messlänge von 1 m – der Tragschale gestellt:

  • Verklebte Systeme: e ≤ 1,0 cm
  • Verklebte und verdübelte Systeme: e ≤ 2,0 cm
  • Mechanisch befestigte Systeme (Schienenbefestigung): e ≤ 3,0 cm

INFO

Bei fachgerecht ausgeführtem KS-Mauerwerk werden auch die höchsten Anforderungen an die Ebenheit – die für die Verwendung von ausschließlich verklebten WDVS gefordert werden – problemlos eingehalten. Fachgerecht ausgeführtes KS-Mauerwerk gilt daher ohne weiteren Nachweis auch für ausschließlich verklebte WDVS als ausreichend tragfähig.


Bei verklebten und verdübelten Systemen richtet sich die Zahl der erforderlichen Dübel u.a. nach der Materialgüte des Wandbaustoffs. Hier erweist sich KS-Mauerwerk als besonders tragfähiger Untergrund.

Im Vergleich zu rein verklebten Systemen ist die Verarbeitung von zusätzlich verdübelten Systemen arbeits- und damit lohnkostenintensiver. Aufgrund der Planebenheit von KS-Mauerwerk wird weder eine zusätzliche Verdübelung von Polystyrol-(PS-)Systemen noch die Ausführung von Schienensystemen erforderlich.

Der tragende Untergrund für verklebte Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) muss tragfähig, trocken, staub- und fettfrei sowie ausreichend eben sein.

Als Wärmedämmstoffe kommen vorwiegend zur Anwendung:

  • Polystyrol-Dämmplatten (EPS-Dämmplatten)
  • Mineralwolle-Dämmplatten
  • Mineralwolle-Lamellenplatten
  • Mineral-Dämmplatten
  • Phenolharz-Dämmplatten

Bei den Putzsystemen, bestehend aus Unterputz mit Bewehrungsgewebeeinlage und Oberputz, wird u.a. unterschieden nach

  • dem Material
    • Kunstharzputze
    • mineralische Putze (in der Regel kunststoffmodifziert
  • der Dicke
    • Dünnputze
    • Dickputze

Das Bewehrungsgewebe hat – vergleichbar mit der Stahlbewehrung im Stahlbeton – u.a. die Funktion, die auftretenden Spannungen auf ein unschädliches Maß zu beschränken.

Wärmeschutz

Mit schlanken, funktionsgetrennten KS-Wandkonstruktionen lassen sich je nach Wahl des Dämmstoffes alle energetischen Anforderungen erfüllen.

U-Werte einer einschaligen Außenwand mit WDVS

Schallschutz

Mit funktionsgetrennten KS-Außenwänden lassen sich auch die den gewählten Nutzungen entsprechenden Anforderungen an die Schalldämmung erfüllen.

Je nach Wahl der Kombination von Wärmedämmstoff und Putz kann sich eine Abminderung oder eine Erhöhung des bewerteten Schalldämm-Maßes des Fassadenbauteils „Wand“ ergeben.

Feuchteschutz/Witterungsschutz

Die Anforderungen an WDVS im Hinblick auf die Schlagregenbeanspruchung können – in Abhängigkeit von den regionalen klimatischen Bedingungen, der örtlichen Lage oder der Gebäudeart – in Anlehnung an DIN 4108-3 eingeordnet werden.

Für hohe Beanspruchungsgruppen sind Wasser hemmende bzw. Wasser abweisende Putzsysteme zu verwenden. Für Wasser abweisende Putzsysteme werden folgende Anforderungen gestellt:

  • Wasseraufnahmekoeffzient:
    w ≤ 0,5 kg/(m2 · h0,5)
  • dampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke:
    sd 2,0 m
  • Begrenzung des Produkts w · sd :
    w · sd 0,2 kg/(m · h0,5)

INFO

WDVS-Putze erfüllen in der Regel auch die Anforderungen für hohe Beanspruchungsgruppen (Schlagregenbeanspruchungsgruppe III) nach DIN 4108-3.


Der Nachweis des Tauwasserschutzes nach DIN 4108-3 wird bei der Verwendung von WDVS – insbesondere auf KS-Mauerwerk – erfüllt. DIN 4108-3 kann entnommen werden, unter welchen Randbedingungen auf einen Nachweis verzichtet werden kann.

Bei WDVS mit Polystyrol-Wärmedämmung können und werden dampfdiffusionsdichtere Putzsysteme angewendet, da der Polystyroldämmstoff eine 20- bis 50-fach größere Dampfdiffusionswiderstandszahl gegenüber Mineralfaser-Dämmstoffen aufweist. Bei Systemen mit Mineralfaserdämmstoffen kommen in der Regel diffusionsoffene mineralische Putzsysteme zur Anwendung.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Außenwände mit oder ohne WDVS „atmen“ nicht. Bei üblichen Gebäude- und Bauteilabmessungen ist die infolge Lüftung (aus hygienischen Gründen erforderlicher Mindestluftwechsel) abgeführte Feuchtigkeitsmenge gegenüber der auf dem Wege der Dampfdiffusion durch eine Außenwandkonstruktion transportierte Wassermenge etwa 100-fach größer. Da es durch die Außenwand keinen bedeutenden Luftaustausch gibt, beeinträchtigen fachgerecht ausgeführte Dämmschichten in keiner Weise deren Funktion.


INFO

KS-Außenwände mit WDVS und KS-Kellerwände mit Perimeterdämmung sowie einschalige KS-Außenwände und zweischalige KS-Außenwände mit außen liegender Wärmedämmung sind hinsichtlich der Wasserdampfdiffusion unkritisch und bedürfen keines Nachweises für den Tauwasserausfall im Inneren des Bauteils (DIN 4108-3).


Brandschutz

WDVS mit Mineralwolle- oder Mineral-Dämmplatten sind im eingebauten Zustand der Baustoffklasse A2 zuzuordnen und können somit über die Hochhausgrenze hinausgehend bis zu einer Gebäudehöhe von 100 m (diese Höhenbegrenzung ergibt sich aus der Windbeanspruchung) eingesetzt werden.

WDVS mit Dämmstoffen aus Polystyrol-Hartschaum werden im eingebauten Zustand der Baustoffklasse B1 zugeordnet und dürfen nur bis zur Hochhausgrenze (Fußboden des höchstgelegenen  Aufenthaltsraums 22 m über Geländeoberkante) verwendet werden.

Bei Gebäuden, die direkt an Nachbargebäude angrenzen, ist ein Streifen  b ≥ 1 m im Bereich der Haustrennwand aus nicht brennbarem Material (Baustoffklasse A) anzuordnen, um im Falle eines Brandes einen Brandüberschlag von einem Gebäude auf das Nachbargebäude zu vermeiden.

Bei WDVS sind ggf. Brandriegel vorzusehen und auszuführen.

Ausführung

Bei fachgerecht ausgeführtem KS-Mauerwerk werden auch die höchsten Anforderungen an die Ebenheit – nämlich die für die Verwendung von ausschließlich verklebten WDVS – problemlos eingehalten.

Im Vergleich zu zusätzlich verdübelten Systemen sind ausschließlich verklebte WDVS- Systeme einfacher und damit günstiger zu verarbeiten. Aufgrund der hohenTragfähigkeit und Ebenheit von KS-Mauerwerk wird weder eine zusätzliche Verdübelung von EPS-Systemen noch die Ausführung von Schienensystemen erforderlich. Es können somit rein verklebte WDVS (z.B. Polystyrol-Dämmplatten oder Mineralwolle-Lamellen) empfohlen werden.

Ausschließlich verklebte WDVS mit EPS-Hartschaum-Dämmplatten werden teil- oder vollflächig verklebt.

Bei der teilflächigen Verklebung erfolgt der Kleberauftrag entweder mit einem Flächenanteil von ca. 40 % nach der Wulst-Punkt-Methode auf der Dämmplattenrückseite oder mit einem Flächenanteil von ca. 60 % durch ein maschinelles, meanderförmiges Aufspritzen des Klebemörtels auf den tragenden Untergrund.

Ausschließlich verklebte WDVS mit Mineralwolle-Lamellendämmplatten werden in der Regel vollflächig (100 %) verklebt.

Unabhängig vom Materialtyp sind die Dämmplatten dicht gestoßen im Verband zu verlegen. Dies gilt auch für Bauwerkskanten, an denen eine verzahnte Verlegung auszuführen ist. Stoßfugen im Bereich der Ecken von Wandöffnungen sind unzulässig.

Gebäudedehnfugen der tragenden Konstruktion sind im WDVS durchgehend aufzunehmen.

Im Bereich von Anschlüssen an angrenzende Bauteile – wie z.B. beim Blendrahmenanschluss – sind entweder spezielle, durch einige Systemhersteller angebotene Profile zu verwenden oder es ist der Dämmstoff mit einem Fugendichtungsband zu hinterlegen und der Putz mit einem Kellenschnitt sauber zu trennen. Fenstersohlbänke sind darüber hinaus mit einer seitlichen Aufkantung sowie Unterschnitt im Laibungsbereich des WDVS anzuschließen. Dabei ist insbesondere bei Aluminium-Sohlblechen auf eine Schiebestoßausbildung zu achten, um eine zwängungsfreie Verformungsmöglichkeit zu gewährleisten.

Seitlicher Fensteranschluss (Laibung)

Zur Reduzierung und Vermeidung von Wärmebrücken ist auf die wärmeschutztechnisch optimierten KS-Details zu verweisen.


INFO

Die komplette KS-Detailsammlung und den KS-Wärmebrückenkatalog fnden Sie unter www.ks-waermebruecken.de.


 

Menü